Gottesdienste

CORONAVIRUS – KRISE – CHANCE!? 

Fast stündlich erreichen uns neue Meldungen und Zahlen über Infizierte und Tote – und diese Nachrichten sind wahrlich keine guten. Die chinesische Epidemie hat sich zu einer Pandemie entwickelt und stürzt die halbe Welt in eine wirtschaftliche und humanitäre Krise. Wie uns die Geschichte und das Leben lehrt ist aber jede Krise auch immer gleichzeitig eine Chance. Seit vielen Jahren wissen die meisten von uns, dass wir in einer schwer kranken Welt leben. Unser Papst Franziskus hat das am Freitag bei seiner Meditation vor dem außerordentlichen Segen „Urbi et Orbi“ so ausgedrückt: "Wir haben nicht auf den Schrei der Armen und unseres schwer kranken Planeten gehört. Wir haben unerschrocken weitergemacht in der Meinung, dass wir in einer kranken Welt immer gesund bleiben können."

Die Pandemie zwingt die Welt zu einem Innehalten – ein Land nach dem anderen beschließt Maßnahmen um die Verbreitung des Virus zu verlangsamen. Das bedeutet eine Reduzierung der sozialen Kontakte zwischen uns Menschen auf ein notwendiges Minimum. Dadurch wiederum entschleunigt sich das sonst so hektische Getriebe unserer westlichen Welt und das eröffnet uns die einmalige Chance unser Leben und seine Auswirkungen auf die gesamte Schöpfung zu überdenken und zu erkennen was wirklich wichtig ist.

In meinen Gedanken eröffnet sich eine neue Welt, eine irdische Welt in der Gottes Reich bereits anbrechen darf - ein Leben in Fülle für Alle. Die berühmte Aussage, dass die Schöpfung genug für alle Menschen zur Verfügung stellt, dass die Güter nur ungerecht verteilt sind ist wahr. Schon die Befreiungstheologie der 60er Jahre kritisiert die Systeme der Ungerechtigkeit in denen wir gefangen sind und erkennt sie als Erbsünde, in die wir Menschen schuldlos hineingeboren werden. Das befreit aber jeden Einzelnen nicht von der Verantwortung, in unseren Möglichkeiten gerecht zu handeln.

In den letzten Jahren hatte ich immer mehr den Eindruck, dass unsere Welt jegliches Maß und Ziel verloren hat. Bei uns können die Menschen nicht genug bekommen, häufen irdische Güter ohne Ende an, können nicht zur Ruhe kommen – ein Hype jagt den nächsten, ein Urlaubstrip um die halbe Welt folgt dem anderen. Fast mutet es wie eine Flucht vor sich selbst an. Der Preis dafür allerdings ist hoch. Der Druck auf den einzelnen wird immer größer, psychische Erkrankungen nehmen rapide zu, die Natur ist am Ende. Wir wissen, dass wir gerade dabei sind die Schöpfung zu zerstören – allen Warnungen zum Trotz!

Doch da kommt ein Virus und schafft das scheinbar Unmögliche und wir sehen schon ein paar Wochen shutdown reichen aus, um sichtbare Erfolge im Kampf gegen die Umweltzerstörung zu erzielen.

Doch wird diese Unterbrechung zu einem nachhaltigen Umdenken führen? Ich weiß es nicht, aber ich bete dafür.

Thomas Schmid/30.03.2020