Mich dürstet!

Schwechater Fastentuch 2004 von Max Rauch

„Mich dürstet!“ (Jh 19,28) – der Schrei Jesu am Kreuz, kurz bevor er seinen Geist aushaucht.
Unmittelbar vor seinem Tod schreit er damit – festgenagelt an das harte Kreuz der Realität – seine tiefe Sehnsucht nach Leben in die Welt hinaus: ein Schrei, der die unzähligen Schreie nach Leben aus allen Zeiten bündelt, ebenso festgehalten in der oft mörderischen Realität.

Diese tiefe Sehnsucht nach Lebendigkeit trägt jeder Mensch in sich – auch Jesus blickt zu den erquickenden Wassern hinüber. Die ätzenden Zuschauer hätten an sich recht: „Wenn du Gottes Sohn bist, hilf dir selbst und steig herab vom Kreuz!“ (Mt 27,40) – er hätte es sich leichter machen können. Doch: Er hält aus, nicht gleich lebenshungrig und gierig zuzugreifen.

Zeit Lebens protestiert Jesus gegen Unheil und Unrecht, die Sprengkraft seiner Lebens-Botschaft stellt die Welt auf den Kopf, lässt keinen kalt – und durchkreuzt sein Leben, bricht ihm den Hals. Doch: Er bleibt seinen Ansprüchen und seinem Auftrag treu. Im Vertrauen darauf, dass sein Vater ihn nicht zu kurz kommen lässt, trägt er konsequent sein Schicksal. Er war kein Mann des billigen Weges, sondern einer, der zu seiner Überzeugung steht, bis zum letzten… Darin hat er letztlich Auferstehung, Leben und Lebendigkeit gefunden.

So leicht ist es auch heute, den „Abschneider“ zu gehen, die billige Variante zu wählen, wenn die Lebenssehnsüchte erwachen. So einfach lassen sie sich ruhig stellen:

  • Benebelung unterschiedlichster Art (egal ob Alkohol, Arbeit, Drogen oder andere -> Spritze & Flasche)
  • rücksichtslose Gewalt oder Ellbogen-Technik, die für Macht, Geltung und Ruhm sorgt (-> Faust und Pokal des ersten Preises)
  • das Leben letztlich abtötende Gesetze und Regeln: „Vurschrift is Vurschrift“ (-> Paragraf)
  • oberflächliche und nur die eigene Befriedigung suchende Verliebtheit in Menschen, Dinge oder aber sich selbst (-> Herz)
  • ewiges der Zeit Nachhasten – wer ist heut nicht „im Stress“? (-> Uhr – nur mit Minuten-Zeiger)
  • All das hilft – für den Moment; doch die tiefste Lebenssehnsucht bleibt durstig!

Im Letzten hilft nur, die Hände diesem Lebendigkeit schenkenden Gott offen entgegen zu halten (-> geöffnete Hände links) – und offen zu lassen, denn auch die Zuwendung Gottes lässt sich leicht missbrauchen, -> „zu Geld machen“, der Missbrauch „göttlicher Macht“ ist das vielleicht größte Verbrechen Gläubiger oder Kirchenvertreter.

Doch: Der tiefste Lebensdurst kann letztlich nur durch Gott selbst befriedigt werden – von dem, der von sich sagt: „Wer Durst hat, komme zu mir, und es trinke, wer an mich glaubt. Wie die Schrift sagt: Aus seinem Inneren werden Ströme von lebendigem Wasser fließen!“ (Jh 7,37b.38)

Fastenzeit: Durst auf Ostern hin – dem Fest der von Gott geschenkten Auferstehung und Lebendigkeit!

fastentuch 2004

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