Die Kluft

Das Schwechater Fastentuch 2006 von Max Rauch

Schwechater Künstler Max Rauch gestaltet zum 6. Mal ein riesiges Fastentuch;
intensiver Austausch zwischen Pfarrgemeinde und ihm
führt die inhaltlichen Linien zu einem Gesamtkunstwerk zusammen.

Es ist schon Tradition: Gegen Ende Herbst beginnen die ersten Vorüberlegungen – dann folgt eine mehrwöchige, intensive Gesprächsphase und dann die Zeit der Umsetzung… Seit Jahren gestaltet der Schwechater Künstler Max Rauch ein Fastentuch für die und vor allem auch mit der Pfarre Schwechat.

„Jahr für Jahr ist es ein spannender Prozess!“, erzählt Pfarrer Gerald Gump vom 6. in dieser Form entstehenden Fastentuch. „Und es ist immer wieder toll, wie intensiv Max auf die verschiedenen Ideen eingeht und sie in seine Pläne integriert!“ Wochenlang werden in der Pfarrgemeinde Visio-nen und Ideen gewälzt, was für die bevorstehende Fastenzeit „ansteht“! Im Blick auf die vorgese-henen Bibeltexte, auf das, was allgemein gesellschaftlich „im Raum steht“, wie auch die konkreten Menschen bewegt, wird intensiv geplant. Der Künstler Rauch verarbeitet diese Ideen in einen ers-ten Entwurf, der wieder gemeinsam angesehen, überlegt und verändert wird; oftmals geht es da hin und her – allgemein wird darüber gesprochen und in Pfarrgemeinderat, Vorstand, Liturgiekreis und Pastoralteam die Ideen konkretisiert.

In den letzten Tagen vor dem Aschermittwoch wird der Endstand dann umgesetzt – was bei den gewaltigen Ausmaßen von 5 x 5 Metern die nächste, große Herausforderung ist. Ab Aschermitt-woch hängt das Tuch dann 40 Tage bis zur Osternacht in der Kirche und hält die wesentlichen Linien der Fastenzeit damit laufend vor Augen.

Heuer soll es um die Abgründe und Klüfte des Lebens gehen, die sich in vielerlei Weise in der Welt zeigen: Abgründe im eigenen Leben, Distanzierungen in Beziehungen & Familien, Spaltun-gen in der Welt, Vorurteile – zwischen Kulturen, Gesellschaften und Wirtschaftssystemen. Dras-tisch findet dies in der Kluft zwischen Arm und Reich seinen künstlerischen Ausdruck im Fasten-tuch. Anhand dessen werden die Gottesdienste der einzelnen Fastensonntage ausgehend von den Bibeltexten gestaltet – je eine wichtige Kluft des Lebens kommt zur Sprache und wird be-dacht. Es gilt, sich mit der Wirklichkeit des Lebens zu konfrontieren – auch mit den Schattenseiten und Abgründen mit der Zielrichtung, neue Anfänge zu setzen die zu Verbesserungen führen.

„Versuchen wir wenigstens, über diesen Abgrund nachzudenken, und tragen wir dazu bei, dass mehr als ein Rest von unserem Reichtum für die Armen der Ärmsten abfällt.“ fasst Max Rauch seine künstlerische Warnung in Worte.
Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer. Vom Überfluss der Reichen bleibt oft nur Abfall über-
und das, was von den Reichen abfällt, erreicht die Armen nur teilweise.

Doch dies ist keineswegs nur in wirtschaftlichen Bereichen so. Wie viele Abgründe tun sich auch anderswo auf:

  • In Spaltungen, die oft quer durch Familien gehen,
  • in den Verhärtungen zwischen Kulturen,
  • in den Abgründen, die sich bis tief
  • in mein eigenes Leben einbrennen…
  • Die von Gott erwirkte Brotvermehrung („5 Brote & 2 Fische“ – vgl. Jh 6,1-15) verpufft.

Fastenzeit heißt,sich mit den Abgründen des Lebens ehrlich zu konfrontieren:
„Die Wahrheit wird euch befreien“ (Jh 8,32).
Fastenzeit heißt aber auch,diese Lebensbereiche zu bessern („Buße“), Wege zu beginnen, die die Abgründe des Lebens überwinden – hin auf Ostern,das Fest des „Lebens in Fülle“ (Jh 10,10) – für alle!

fastentuch 2006

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