Fastentuch 2008 - „Communio“

eingebunden in Gottes Netzwerk der Menschen
Schwechater Künstler Max Rauch gestaltet zum 8. Mal ein riesiges Fastentuch;
intensiver Austausch zwischen Pfarrgemeinde und ihm führt die inhaltlichen Linien zu einem Gesamtkunstwerk zusammen.

Zur Entstehung

Seit vielen Jahren ist es gut eingeführt: Ab dem Herbst jeden Jahres beginnen die ersten Vorüberlegungen – dann folgt eine mehrwöchige, intensive Gesprächsphase und dann die Zeit der Umsetzung… Seit Jahren gestaltet der Schwechater Künstler Max Rauch (selbst u. a. Pfarrgemeinderat und Mitarbeiter im Sozialprojekt Zirkelweg der Pfarre Schwechat) ein Fastentuch für die und vor allem auch mit der Pfarre Schwechat. Quer durch die Medienlandschaft erregt dieser Vorgang alljährlich große Aufmerksamkeit – im vorletzten Sommer hat „gottesdienst“, die mit Abstand bedeutendste Fachzeitschrift für Liturgie im deutschsprachigen Raum, diesem Schwechater Vorgang 2 Sonderseiten gewidmet.

„Die inhaltliche Auseinandersetzung in verschiedensten Gruppen & Teams der Pfarre durch viele Wochen ist ein höchst spannender Prozess!“, erzählt Pfarrer Gerald Gump vom 8. in dieser Form entstandenen Fastentuch. „Und dann ist’s immer wieder großartig, wie produktiv unser Max auf die verschiedenen Ideen eingeht und sie in seine Pläne integriert!“ Ein oftmaliger Austausch zwischen dem Gesprächsprozess in der Pfarre über das „was bei den Menschen im Raum steht“ und den künstlerischen Ideen von Rauch bildet den Boden für das alljährliche Gesamtkunstwerk, welches dann die ganz Fastenzeit über die zum Bild gewordene Impuls-Welt vor Augen hält.

Wochenlang werden in der Pfarrgemeinde Visionen und Ideen gewälzt, was für die bevorstehende Fastenzeit „ansteht“! Im Blick auf die vorgesehenen Bibeltexte der Fastensonntag, auf das, was allgemein gesellschaftlich „im Raum steht“, wie auch die konkreten Menschen bewegt, wird intensiv nachgespürt & geplant. Der Künstler Rauch verarbeitet diese Ideen in einen ersten Entwurf, der wieder gemeinsam angesehen, überlegt und verändert wird; oftmals geht es da hin und her – allgemein wird darüber gesprochen, in Pfarrgemeinderat, Vorstand, Liturgiekreis und Pastoralteam werden die Ideen konkretisiert.

In den letzten Tagen vor dem Aschermittwoch wird der Endstand dann umgesetzt – was bei den gewaltigen Ausmaßen von 5 x 5 Metern die nächste, große Herausforderung ist. Ab Aschermittwoch hängt das Tuch dann 40 Tage bis zur Osternacht in der Kirche und hält die wesentlichen Linien der Fastenzeit damit laufend vor Augen. Und: Alle Tücher der letzten Jahre sind quer durch Österreich „unterwegs“ – es gibt schon eine „Warteliste“, welches Tuch in welchem Jahr in welche Pfarre vergeben werden kann.

Zu den inhaltlichen Impulsen

Der Grundgedanke wird schnell spürbar: Die Sehnsucht nach einem, der die Welt (zusammen)hält. Doch ist’s nicht einer allein. Das heurige Fastentuch weist ein großes Netzwerk aus, das die Welt zusammenhält – und jede/r trägt mit…

Alljährlich lädt uns die „Österliche Bußzeit“ (so der ganz offizielle Titel der 40 Tage vom Aschermittwoch bis Ostern) ein, neu auf das eigene Leben und unsere Welt hinzuschauen. Dies auf moralische Selbst-Appelle zu beschränken würde zu kurz greifen. Gerade hier heißt es, auf die Realität ehrlich hinzuhorchen – und natürlich auch sich einzumischen. Fastenzeit ruft auf, sensibel für die Wirklichkeit der Welt zu werden.

Unser heuriges Fasten hält genau dies vor Augen: Die Welt hängt nicht im luftleeren Raum, das große Miteinander von Menschen, ihr Netzwerk, trägt die Schöpfung, hält die Welt in den Händen. Ja: Wir haben als Menschen vieles in der Hand: Möglichkeiten, die Schöpfung zu fördern, aber auch zu zerstören, Menschen im Miteinander unserer Welt zu kurz kommen oder Krieg & Unheil um sich greifen zu lassen. Fastenzeit heißt nicht, fromme Gedanken an Gott zu richten, sondern dessen tragfähiges Netzwerk zu verstärken. Ehrlich diese Zeit zu leben lässt uns keine andere Wahl, als auch im Handeln für die Welt heilsam aktiv zu werden.

Und wo ist da Gott? Natürlich: Unten die große Hand. Aber warum eigentlich? Vielleicht ist Gottes Hand ja auch eine der anderen? Oder aber in allen Händen da? Im christlichen Verständnis ist Gott normal nicht der, welcher groß & abgrenzbar von oben eingreift. Nein – er wirkt durch unsere Hände. Ins große Miteinander, in sein Netzwerk der Menschen eingewoben wirkt er mitten unter und durch uns.

„Angesagt ist’s, mein/unser Leben, mein/unser Schicksal selbst in die Hand zu nehmen!“, fasst Max Rauch seinen künstlerischen Impuls in Worte. „Und doch: Wie gut, dass ich in all dem daran glauben kann, dass Gott mein Leben mitträgt und mir immer wieder seine Hand reicht. Wer vertraut, wer die angebotene Hand ergreift, wer dieses Netzwerk mitknüpft, kann erfahren, wie schön es ist von Gott getragen zu werden.“

Insofern ist Fastenzeit eine höchst aktive Zeit: Zeit, Hand anzulegen an einer besseren Welt, nicht ein bisschen, sondern ganz – denn so wirkt Gott durch uns!


„Communio“
eingebunden in Gottes Netzwerk der Menschen

Gott hat die Welt in die Hände der Menschen gelegt.
Jede/r von uns ist in dieses Netzwerk Gottes eingebunden –
– ein Netzwerk aus Menschen, das die Welt trägt.
Wer in heutiger Computer-Welt nicht vernetzt ist, fällt raus.
Wer sich aus dem großen
Netzwerk des Miteinanders dieser Welt abkapselt,
verkümmert und stirbt ab, selbst und für die Welt.

Wir Menschen haben es in der Hand, die Schöpfung aufleben
oder fallen zu lassen. Österliche Bußzeit („Fastenzeit“) lässt sich nicht auf ein paar fromme Gedanken reduzieren, sondern meint,
neu das ehrliche Hinschauen zu lernen –
– und da heraus Hand anzulegen, sich einzubinden
in dieses tragende Netzwerk,
das Leben der Welt zu halten und zu fördern.
Manche Hände tragen, manche müssen (wie die helle rechts oben)
erst vorsichtig hingeführt und eingebunden werden,
manche sind klein, manche scheinen übermächtig.
Wichtig ist, auf die je eigene Art
das (eigene & gemeinsame) Leben in die Hand zu nehmen.

Interessant ist, dass die Hand Gottes im Bild gar nicht so klar zu identifizieren ist. Gott greift nicht eindeutig isolierbar ein –
– er wirkt im Netzwerk der Menschen zumeist unbemerkt,
er wirkt durch das gemeinschaftliche Netzwerk der Menschen,
die „Communio“ (Gemeinschaft).

Österliche Bußzeit („Fastenzeit“):
Die Zeit sich neu in diese Communio,
in dieses Netzwerk Gottes mit den Menschen einbinden zu lassen,
gemeinsam mit zu tragen am Leben der Welt!

fastentuch 2008

Zurück