Schwechater Fastentuch 2010

„Wir können nicht schweigen…“
Seine Samenkörner gehen auf – LEBEN breitet sich aus
Schwechater Künstler Max Rauch gestaltet zum 10. Mal ein riesiges Fastentuch;
intensiver Austausch zwischen Pfarrgemeinde und ihm führt die inhaltlichen Linien zu einem Gesamtkunstwerk zusammen.

Zur Entstehung

Dieser intensive Prozess läuft nun schon das 10. Jahr: Ab dem Herbst jeden Jahres beginnen die Vorüberlegungen – dann folgt eine mehrwöchige, intensive Gesprächsphase und dann die Zeit der Umsetzung… Seit Jahren gestaltet der Schwechater Künstler Max Rauch (selbst u. a. Pfarrgemeinderat und engagierter Mitarbeiter im Sozialprojekt Zirkelweg der Pfarre Schwechat) ein Fastentuch für die und vor allem auch mit der Pfarre Schwechat. Quer durch die Medienlandschaft erregt dieser Vorgang alljährlich große Aufmerksamkeit – 2007 hat „gottesdienst“, die bedeutendste Fachzeitschrift für Liturgie im deutschsprachigen Raum, diesem Schwechater Vorgang 2 Sonderseiten gewidmet.

„Die inhaltliche Auseinandersetzung in verschiedensten Gruppen & Teams der Pfarre durch viele Wochen ist ein höchst spannender Prozess!“, erzählt Pfarrer Gerald Gump vom 10. in dieser Form entstandenen Fastentuch. „Und dann ist’s immer wieder großartig, wie produktiv unser Max auf die verschiedenen Ideen eingeht und sie in seine Pläne integriert!“ Ein oftmaliger Austausch zwischen dem Gesprächsprozess in der Pfarre über das „was bei den Menschen im Raum steht“ und den künstlerischen Ideen von Rauch bildet den Boden für das alljährliche Gesamtkunstwerk, welches dann die ganz Fastenzeit über die zum Bild gewordene Impuls-Welt vor Augen hält.

Wochenlang werden in der Pfarrgemeinde Visionen und Ideen gewälzt, was für die bevorstehende Fastenzeit „ansteht“! Im Blick auf die vorgesehenen Bibeltexte der Fastensonntag, auf das, was allgemein gesellschaftlich „im Raum steht“, wie auch die konkreten Menschen bewegt, wird intensiv nachgespürt & geplant. Der Künstler Rauch verarbeitet diese Ideen in einen ersten Entwurf, der wieder gemeinsam angesehen, überlegt und verändert wird; oftmals geht es da hin und her – allgemein wird darüber gesprochen, in Pfarrgemeinderat, Vorstand, Liturgiekreis und Pastoralteam werden die Ideen konkretisiert.

In den letzten Tagen vor dem Aschermittwoch wird der Endstand dann umgesetzt – was bei den gewaltigen Ausmaßen von 5 x 5 Metern die nächste, große Herausforderung ist. Ab Aschermittwoch hängt das Tuch dann 40 Tage bis zur Osternacht in der Schwechater Pfarrkirche und hält die wesentlichen Linien der Fastenzeit damit laufend vor Augen. Und: Alle Tücher der letzten Jahre sind quer durch Österreich „unterwegs“ – es gibt schon eine „Warteliste“, welches Tuch in welchem Jahr in welche Pfarre vergeben werden kann.

Zu den inhaltlichen Impulsen

Der Grundgedanke wird schnell spürbar: Der Sämann – ein biblisches Bild für Gott – streut mit verschwenderisch-voller Hand die Körner des Lebens aus: Ohne kleinliche Sorge, es könnte umsonst sein. Das Schenken, Geben und Ausstrahlen ist die Grundlinie: Pulsierendes Leben lässt sich weder zurück halten, noch verschweigen.

In 2 Symbolgestalten wird der Umgang mit dem reichhaltigen Schenken Gottes ins Bild gebracht: Die Person rechts blickt dankbar auf – offenen Herzens streckt sie die Schale ihres Lebens Gott entgegen. Darin, wie auch in ihrem Umfeld geht die Saat auf, beginnt das Leben in seiner bunten Fruchtbarkeit aufzublühen. Menschen, die ein offenes Herz haben, tun ihrer Umgebung gut, in ihrer Nähe kann man aufatmen.

Den Gegenpol bildet die Gestalt links: Innerlich verschlossen achtet sie darauf, dass alles außen an ihr abgleitet. Übersättigt, vom Trubel des Alltags abgehärtet, innerlich erstarrt und nur mehr mit sich selbst beschäftigt zertritt er sogar noch das aufkeimende Leben unter sich. „Er lebt nicht, er wird nur mehr gelebt!“ kommentiert Pfarrer Gerald Gump diese Symbolgestalt, die so sprechend zum Ausdruck bringt, was viele Menschen unserer Tage erleiden.

„Dieses so ausdrucksstarke Bild vor Augen wollen wir in den ‚Heiligen 40 Tagen’ der Frage nachgehen, wo wir selbst solch innere Verhärtungen oder Übersättigungen in uns tragen!“, erzählt Gump in seiner Aktualisierung des Bildes. „Die Fastenzeit ist DIE Chance, das Leben wieder neu auszurichten, die tiefen Samen des Lebens mitten in unsrem Herzen aufblühen zu lassen und damit neu ins Leben einzusteigen!“

Und hinter all dem steht ein reichhaltig schenkender Gott. „Er weiß sehr wohl, dass Steine auf der Erde liegen, dort der Same kein Frucht bringt!“, wie der Künstler Max Rauch deutet. „Auch die Vögel der alltäglich auf uns einströmenden ‚Notwendigkeiten’ beeinträchtigen das Wachstum. Und doch: Freude und Hoffnung keimen auf!“

„Das hinaus zu posaunen ist naheliegend – wer von der kräftigen Lebensdynamik Gottes ergriffen ist, kann das nicht verschweigen: Weder mit seinen Lippen, noch überhaupt durch sein ganzes Wesen!“ so Gump! „Dieses kräftige Leben Gottes in die Welt zu tragen: Das ist unsere Aufgabe als Christen…!“

Der offizielle Text zum „Schwechater Fastentuch 2010“:

„Wir können nicht schweigen…“
Seine Samenkörner gehen auf – LEBEN breitet sich aus

„Wir können nicht schweigen über das, was wir gehört und gesehen haben!“ – so bekennen Petrus und Johannes offenen Herzens gegenüber den Religionsmächtigen ihrer Zeit. Diesen war die heilsame Kunde vom auferstandenen & lebendigen Jesus Christus Dorn im Auge. (Apg 4,20).

Wer tiefe Erfahrungen macht, im Herzen echt berührt ist, kann es nicht für sich behalten!
Unser Fastentuch stellt das reichhaltige Aussäen Gottes vor Augen: Dieser Gott geizt nicht, sondern schenkt mit voller Hand. Ohne ängstlichen Druck, dass alles sofort „Erfolg“ haben muss, teilt er reichhaltig aus. Wo die Samen seiner Liebe in offene Herzen fallen, da beginnen Menschen aufzuatmen, sich aufzurichten und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen – da beginnt Aufer-STEH-ung! Solche Menschen brauchen sich nicht mehr in existenzbedrohender Angst auf sich selbst zurück ziehen und ans Überleben klammern. Solche Menschen haben die Freiheit & Kraft, Hand anzulegen für eine bessere Welt, tragen das LEBEN hinaus; mit ihrem ganzen Dasein erzählen sie vom lebendigen wirksamen Gott – sie „können gar nicht mehr davon schweigen!“

Die Person rechts im Bild bringt es zum Ausdruck: Offenen Herzens hält sie die Schale ihres Lebens Gott entgegen, dankbar blickt sie auf. Und: Der Same des Lebens keimt: In ihrer Lebensschale, wie auch rund um sie blüht das Leben auf.

Der Mensch links dagegen lebt übersättigt dahin – abgestumpft sperrt er sich gegen das, was ihm geschenkt wird, zertritt auch noch das zart aufkeimende Gedeihen neben ihm. Vielleicht hat ihn das Leben schon zu sehr enttäuscht und hart gemacht. Vielleicht hat er in die Tretmühle des Alltags eingespannt von allem genug oder ist nur mehr mit sich selbst beschäftigt – er lässt alles an sich abgleiten, innerlich erstarrt wird er nur mehr gelebt.

Das Fastentuch hält uns den Spiegel vor Augen: Beide Symbolfiguren zeigen manches, was sich auch in unsrem Herz abspielt – je nach Lebenssituation. Die Österliche Bußzeit („Fastenzeit“) stellt uns die Frage, wo wir selbst uns dem von Gott geschenkten Leben verschließen, lieber auf uns selbst fixiert als für das Leben offen sind. In ihr gibt uns Gott die Chance, eigene Gewohnheiten infrage zu stellen, die vielleicht kurzzeitig Spaß machen, letztlich aber unser Leben austrocknen. Fasten heißt, manches davon einmal bewusst weglassen als Verzicht, der stärkt und zu vertieftem Leben führt; als Chance, aus der Abhängigkeit von Gewohnheiten, Formen und „Süchten“ zu erfüllenderem Leben durchzudringen.

Denn das Schöne ist: Gottes Schenken und Wirken ist wirkungsvoller als die menschliche Abgestumpftheit. Diese Tage feiern wir die Einladung Gottes, neu unser Herz für ihn zu öffnen. Wenn auch manchmal auf Umwegen: Seine Samenkörner des Lebens gehen auf, Leben breitet sich aus!
fastentuch 2010

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