Auf dem Weg des Lebens ...

„Veränderung & Verwandlung, Ängste & Hoffnungen“

Der Schwechater Künstler Max Rauch gestaltet zum 14. Mal ein riesiges Fastentuch;
intensiver Austausch zwischen Pfarrgemeinde und ihm führt die inhaltlichen Linien zu einem Gesamtkunstwerk zusammen.

Zur Entstehung

Dieser intensive Prozess läuft nun schon das 14. Jahr: Ab dem Herbst jeden Jahres beginnen die Vorüberlegungen: eine mehrwöchige, intensive Gesprächsphase und dann die Zeit der Umsetzung… Seit Jahren gestaltet der Schwechater Künstler Max Rauch (selbst jahrelang im Pfarrgemeinderat und nach wie vor engagierter Mitarbeiter im Sozialprojekt Zirkelweg der Pfarre Schwechat, wie auch anderen Pfarrbereichen) ein Fastentuch für die und vor allem auch mit der Pfarre Schwechat. Quer durch die Medienlandschaft erregt dieser Vorgang alljährlich große Aufmerksamkeit – 2007 hat „gottesdienst“, die bedeutendste Fachzeitschrift für Liturgie im deutschsprachigen Raum, diesem Schwechater Vorgang 2 Sonderseiten gewidmet.

„Die inhaltliche Auseinandersetzung in verschiedensten Gruppen & Teams der Pfarre durch viele Wochen ist ein höchst spannender Prozess!“, erzählt Pfarrer Gerald Gump vom 14. in dieser Form entstandenen Fastentuch. „Und dann ist’s immer wieder großartig, wie produktiv unser Max auf die verschiedenen Ideen eingeht und sie in seine Pläne integriert – und dann wieder auch zu verwerfen bereit ist, wenn aus den unzähligen Gesprächen wieder eine neue Richtung entsteht!“

Ein oftmaliger Austausch zwischen dem Gesprächsprozess in der Pfarre über das „was bei den Menschen im Raum steht“ und den künstlerischen Ideen von Rauch bildet den Boden für das alljährliche Gesamtkunstwerk, welches dann die ganz Fastenzeit über die zum Bild gewordene Impuls-Welt vor Augen hält.

Wochenlang werden in der Pfarrgemeinde Visionen und Ideen gewälzt, was für die bevorstehende Fastenzeit „ansteht“! Im Blick auf die vorgesehenen Bibeltexte der Fastensonntage, auf das, was allgemein gesellschaftlich „im Raum steht“, wie auch die konkreten Menschen bewegt, wird intensiv nachgespürt & geplant. Der Künstler Rauch verarbeitet diese Ideen in einen ersten Entwurf, der wieder gemeinsam angesehen, überlegt und verändert wird; oftmals geht es da hin und her – allgemein wird darüber gesprochen, in Pfarrgemeinderat, Vorstand, Liturgiekreis und Pastoralteam werden die Ideen konkretisiert.

In den letzten Tagen vor dem Aschermittwoch wird der Endstand dann umgesetzt – was bei den gewaltigen Ausmaßen von 5 x 4,5 Metern die nächste, große Herausforderung ist. „Ich selbst sehe das Bild immer erst ganz, wenn es fertig ist.“ erzählt Rauch. „Zwischendurch kann ich manchmal von einer Leiter den Gesamt-Eindruck erahnen, mehr aber ist nicht möglich!“ Ab Aschermittwoch hängt das Tuch dann 40 Tage bis zur Osternacht in der Schwechater Pfarrkirche und hält die wesentlichen Linien der Fastenzeit damit laufend vor Augen. Und: Alle Tücher der letzten Jahre sind quer durch Österreich „unterwegs“ – es gibt schon eine „Warteliste“, welches Tuch in welchem Jahr in welche Pfarre vergeben werden kann. Derzeit hängen „Schwechater Fastentücher“ der letzten Jahre u. a. in den Pfarrkirchen von Bad Vöslau, Mannswörth, Maria Ellend, Purbach, Schönbrunn Vorpark, Schwadorf, St. Margarethen an der Raab, der Heimatgemeinde von Max, sowie in der Seniorenresidenz Oberlaa.

 

Der offizielle Text zum „Schwechater Fastentuch 2014“:

„Ein Mann, der Herrn K. lange nicht gesehen hatte, begrüßte ihn mit den Worten: ‚Sie haben sich gar nicht verändert.‘ ‚Oh!‘ sagte Herr K. und erbleichte.“ (Bertolt Brecht, Das Wiedersehen)

Das Leitwort der 1. Sonntagslesungen durch die heurige Österliche Bußzeit ist „Leben“. „Leben“ ist vielfältig, hat Hoch- & Tiefzeiten, wird durch Alltag & Besonderheiten geprägt. Vor allem aber: Es bleibt nicht starr und unveränderlich. Das Biblische Bild dafür ist der „Weg“!

Viel an Veränderungen und Zeit-Herausforderungen prägen unser Leben heute – „alles“ ist „in Bewegung“: Politische Veränderungen der letzten Jahre („Arabischer Frühling“) haben Hoffnungen ausgelöst – mittlerweile sind manche Mächtige dort brutaler als die Regime zuvor. Wirtschaftliche Herausforderungen oder Veränderungen in der Parteienlandschaft verunsichern durch gänzlich neue Fragestellungen. Und in all dem: „Big Brother is watching you!“ (NSA). In der Kirche weht durch einen neuen Papst schon nicht mehr möglich geglaubte Morgenluft; diözesane Veränderungsprozesse machen Hoffnung und zugleich Angst. Und auch im eigenen Leben ist innerlich und äußerlich oft viel in Bewegung. Nicht selten führt die dadurch ausgelöste Verunsicherung zur ängstlichen Starrheit im Denken, Vorurteilen oder festgefahrenen, ideologischen Zugängen, die loszulassen nicht einfach ist. („Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!“ – Hermann Hesse)

Das Fastenbild erzählt dies durch Symbolgestalten: Manchmal finde ich mich in der Person, die leichtfüßig und beschwingt einen freudigen Lebensabschnitt durchwandert, manchmal erlebe ich den Weg beschwerlich – und mich darin sehr unbeweglich; es gibt ein Hinfallen und ein Ausrasten. Gefährlich wäre nur, am (Lebens-)Weg endgültig stehen zu bleiben und sich unwiderruflich festgefahren niederzulassen. Der Lebensweg hat Stationen des Kreuzes – und doch sind diese bei genauem Hinsehen oft schon mit einem Strahl beginnender Auferstehung verbunden.

Am liebsten würde man oft dem beschwerlichen Weg ausweichen – doch unmöglich; der Geburtskanal in die Zukunft ist eng. Irritationen sind dabei nicht angenehm – und doch nötig. Wie eine Muschel durch eine „Irritation“ eine Perle wachsen lässt, so schenkt Gott darin und durch all dies Verwandlung unseres Lebens. Die „Österliche Bußzeit“ als Einladung, sich neu auf diesen Weg der Verwandlung zum Leben einzulassen – mitzugehen, das eigene Leben wieder neu zu justieren, sich von verkrusteten Vereinseitigungen und Verhärtungen wieder neu heilen, eben in heil-same Bewegungen versetzen zu lassen – hinein ins Leben…

 

fastentuch 2014
fastentuch 2014
fastentuch 2014
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