Veränderungen

(m)einen eigenen Halt finden

Der Schwechater Künstler Max Rauch gestaltet zum 15. Mal ein riesiges Fastentuch;
intensiver Austausch zwischen Pfarrgemeinde und ihm führt die inhaltlichen Linien zu einem Gesamtkunstwerk zusammen.

Zur Entstehung

Dieser intensive Prozess läuft nun schon das 15. Jahr: Ab dem Herbst jeden Jahres beginnen die Vorüberlegungen: eine mehrwöchige, intensive Gesprächsphase und dann die Zeit der Umsetzung… Seit Jahren gestaltet der Schwechater Künstler Max Rauch (selbst jahrelang im Pfarrgemeinderat und nach wie vor engagierter Mitarbeiter im Sozialprojekt Zirkelweg der Pfarre Schwechat, wie auch anderen Pfarrbereichen) ein Fastentuch für die und vor allem auch mit der Pfarre Schwechat. Quer durch die Medienlandschaft erregt dieser Vorgang alljährlich große Aufmerksamkeit – 2007 hat „gottesdienst“, die bedeutendste Fachzeitschrift für Liturgie im deutschsprachigen Raum, diesem Schwechater Vorgang 2 Sonderseiten gewidmet.

„Die inhaltliche Auseinandersetzung in verschiedensten Gruppen & Teams der Pfarre durch viele Wochen ist ein höchst spannender Prozess!“, erzählt Pfarrer Gerald Gump vom 15. in dieser Form entstandenen Fastentuch. „Und dann ist’s immer wieder großartig, wie produktiv unser Max auf die verschiedenen Ideen eingeht und sie in seine Pläne integriert – und dann wieder auch zu verwerfen bereit ist, wenn aus den unzähligen Gesprächen wieder eine neue Richtung entsteht!“

Ein oftmaliger Austausch zwischen dem Gesprächsprozess in der Pfarre über das „was bei den Menschen im Raum steht“ und den künstlerischen Ideen von Rauch bildet den Boden für das alljährliche Gesamtkunstwerk, welches dann die ganz Fastenzeit über die zum Bild gewordene Impuls-Welt vor Augen hält.

Wochenlang werden in der Pfarrgemeinde Visionen und Ideen gewälzt, was für die bevorstehende Fastenzeit „ansteht“! Im Blick auf die vorgesehenen Bibeltexte der Fastensonntage, auf das, was allgemein gesellschaftlich „im Raum steht“, wie auch die konkreten Menschen bewegt, wird intensiv nachgespürt & geplant. Der Künstler Rauch verarbeitet diese Ideen in einen ersten Entwurf, der wieder gemeinsam angesehen, überlegt und verändert wird; oftmals geht es da hin und her – allgemein wird darüber gesprochen, in Pfarrgemeinderat, Vorstand, Liturgiekreis und Pastoralteam werden die Ideen konkretisiert.

In den letzten Tagen vor dem Aschermittwoch wird der Endstand dann umgesetzt – was bei den gewaltigen Ausmaßen von 5 x 4,5 Metern die nächste, große Herausforderung ist. „Ich selbst sehe das Bild immer erst ganz, wenn es fertig ist.“ erzählt Rauch. „Zwischendurch kann ich manchmal von einer Leiter den Gesamt-Eindruck erahnen, mehr aber ist nicht möglich!“ Ab Aschermittwoch hängt das Tuch dann 40 Tage bis zur Osternacht in der Schwechater Pfarrkirche und hält die wesentlichen Linien der Fastenzeit damit laufend vor Augen.

Und: Alle Tücher der letzten Jahre sind quer durch Österreich „unterwegs“ – es gibt schon eine „Warteliste“, welches Tuch in welchem Jahr in welche Pfarre vergeben werden kann. Derzeit hängen „Schwechater Fastentücher“ der letzten Jahre u. a. in den Pfarrkirchen von Bad Vöslau, Mannswörth, Maria Ellend, Purbach, Schönbrunn Vorpark, Schwadorf, St. Margarethen an der Raab, der Heimatgemeinde von Max, sowie in der Seniorenresidenz Oberlaa.

Der offizielle Text zum „Schwechater Fastentuch 2015“:

In heutiger Zeit sind Erneuerung und Flexibilität angesagt. Der 3 Jahre alte Computer ist hoffnungslos veraltet, der wissenschaftliche Fortschritt ist kaum mitzuverfolgen, in den vielfältigen Lebensbereichen „am Laufenden“ zu bleiben wird zunehmend schwer.

Wer hier nicht mitkann, gehört schnell zum „alten Eisen“. Flexibilität ist wichtig, Veränderung hält lebendig – wer starr bleibt, der stirbt.

Doch: All dies kann nur dann gut gehen, wenn ich auf der anderen Seite einen guten und starken Lebenshalt („Heimat“) habe.

Das heurige Fastentuch von Max Rauch ist auf das Zentrale reduziert – die Österliche Bußzeit lädt ja ein, einmal für gewisse Zeit „nicht nötiges Beiwerk“ beiseite zu lassen, um zum Wesentlichen zu kommen.

In der Linienführung deutet sich Vielfältiges an Symbolik des Wesentlichen an:

  • Das sehr dynamische Kreuz als Zentrum des Christlichen Glaubens; doch es ist ein leeres Kreuz, es weist schon auf die Auferstehung hin… - im Kern unseres Glaubens als Christ/inn/en geht es um Auferstehung und Leben. Verwurzelt im Boden des Lebens – auf(s)gerichtet auf Gott hin, weit ausgespannte Querlinien, die das Miteinander herein holen. Auferstehung als Ziel der Fastenzeit!
  • Die erhobenen Hände, die wie eine Schale hinauf gerichtet sind: Wer sich an „Höherem“ festhält und dafür öffnet, die/der hat Kraft und Halt für’s Leben!
  • Die Umarmung – Gott, der uns durch Jesus umarmt; Grundlage des christlichen Glaubens sind nicht Gebote, Moral oder Vorschriften, sondern die liebevolle Zuwendung Gottes, die in Jesus „Hand und Fuß bekommt“…
  • Der Weg von Menschen, der nie ganz geradlinig läuft, in dem es immer wieder in wesentlichen Lebenssituationen Entscheidung (und daraus folgende Weg-Gabelung) braucht
  •  … und in all dem eine große Mitte, eine großes Herz: Wer ein großes Herz hat, hat guten Lebenshalt, Kraft & Freude für das, was kommt.
  •  … doch wesentlich ist, was du siehst: Lass es wirken, spüre nach, fühle hinein…!

Bewegung und Veränderung, gehalten und durchdrungen von Gott – so wird es ein Weg zum LEBEN! 

 

fastentuch 2015
fastentuch 2015
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